Fahnenflucht

Magazin gegen Nationalismus und krieg

Plakat: »Der Tod ist ein Meister aus Deutschland« – Zur Debatte um den CSD-Anschlag in Berlin

Verfasst von

in

Berlin, Deutschland, Sommer 2026. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte des SEK exekutieren in den Abendstunden einen Mann. Fast zeitgleich wird in der Presse berichtet, die Einsatzkräfte des Spezialeinsatzkommandos hätten sich bedroht gefühlt. Der Mann sei mit einer Stichwaffe bewaffnet auf die Beamten zugelaufen.

der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau“

Er trifft dich mit bleierner Kugel, er trifft dich genau. Wer wird schon groß fragen nach diesem Toten? Hatte er sein Leben nicht verwirkt? Die Medien und alle von ihrem tagtäglichen Stumpfsinn Betäubten feiern seinen Tod während diese Heuchler um die Tote und Verletzten vom 25. Juli trauern. Sein Werk. Sagen zumindest Polizei und Innenminister. Ihn kann nun keiner mehr fragen.

dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith.

Und wieder einmal kennt die Politik kein Halten. Friedrich „Ehe-Light“ Merz, Alexander „trans-Register“ Dobrindt, Markus „Genderverbot“ Söder als Verfechter queerer Werte ergreifen das Wort. Längst vorbereitete Pläne für Fußfesseln, Deportationen und postnationalsozialistische Schutzhaft werden aus der Schublade gezogen.

er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland“

Wen soll es noch wundern? Wer wird protestieren? Wer wagt es? Wer soll sich beschweren? Abschiebung. Abschiebung. Abschiebung. krächzt es aus den Fernsehern und Fernsehsesseln. Hinter dicken Mauern und Stacheldraht weggesperrt, gefoltert, deportiert, exekutiert, auf der Flucht … – hat man keine Stimme.

stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Die Bomben und Panzer, die Flugzeuge und Kugeln, die Kriegsschiffe und Raketen, jemand muss sie produzieren. Die Bürokraten, sie sorgen für das nötige gesellschaftliche Klima; aber sie herstellen, sie einsetzen, das können – und wollen – sie nicht.

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Und du? Kannst du ihn sehen? Den Tod. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Er braucht keine Sense. Er braucht nicht gewählt zu werden. Er braucht keine AfD. Jeden Morgen sitzt er an seinem Schreibtisch. Und abends, nach getaner Arbeit, da kommt er erschöpft nach Haus.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Bist du ihm heute schon begegnet? Gabst du zum Abschied ihm einen Kuss?

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Wirst du es heute wagen, ihm zu widersprechen? Wann wirst du es wagen ihm Einhalt zu gebieten?

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Er grüßt dich jeden Morgen. Bald lauert er hinter dem Spiegel, bald blitzt sein Antlitz aus den Augen des Liebsten hervor.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche.“ – ein deutsches Staatsoberhaupt

[Gedichtauszüge aus Paul Celans »Todesfuge«, Bebilderung: Albrecht Dürers Studie »Ein dutzend durchschnittliche Bürokratenfressen« Teil 1 bis 5]